Latein Plus

Warum soll ein Kind sich also ausgerechnet mit Catilina und Spartacus abmühen, während seine Freunde lernen, wie man eine englische Speisekarte liest, ein Bankkonto eröffnet oder nach dem Bahnhof in London fragt? Was hat Latein solchen Argumenten entgegenzusetzen?
  • Anders als Englisch bietet es von Anfang an weder phonetische noch orthographische Schwierigkeiten. Man schreibt, wie man spricht. Man spricht, wie man schreibt. Ein Vorteil auch für Eltern, die zu Hause Vokabeln abfragen wollen.
  • Während es bei Englisch und Französisch schon von der ersten Unterrichtsstunde an darauf ankommt, die Sprache aktiv in Wort und Schrift umzusetzen, müssen im Lateinischen die vorgegebenen Texte lediglich übersetzt und in der Sache verstanden werden.
  • Der logische Aufbau bietet eine sichere Grundlage, die zeigt, was Grammatik bedeutet und wie Sprache funktioniert.
  • Textbearbeitung schult das abstrakte Denken.
  • In vielen Fällen ist es nur noch der Lateinunterricht, der den überall sonst im Lehrplan zusammengestrichenen Bereich Orientierungswissen vermittelt – also alles, was unsere europäische Kultur geprägt hat, von Geschichte bis Philosophie.
Mit Latein plus Englisch tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die meisten Kinder heute mit einer guten Vorbildung in Englisch aus der Grundschule kommen und hoch motiviert sind, Englisch zu lernen. Eine "Wartezeit" von einem Jahr bis zur 6. Klasse (wie früher) stößt weder bei den Kindern noch bei den allermeisten Eltern auf Akzeptanz oder Verständnis und ergibt pädagogisch wenig Sinn.
Latein plus Englisch sieht vor, dass unsere Schülerinnen und Schüler, die den Latein-Zweig und daher Latein als erste Fremdsprache wählen, gleichzeitig mit dem Erlernen der zweiten Fremdsprache (Englisch) beginnen bzw. diese fortsetzen. In der 5. Klasse wird Englisch in einem für alle verbindlichen zweistündigen Vorkurs erteilt. Die Leistungen werden nicht benotet. In der 6. Klasse ist Englisch vollgültige zweite Fremdsprache; die Note ist versetzungsrelevant.

Unsere Erprobungen mit den beiden parallel unterrichteten Sprachen haben gezeigt, dass das Konzept weder eine Überforderung der Kinder noch eine Gefährdung des Lernerfolges in Latein darstellt. Daher konnten wir mit gutem Gewissen vom Versuch zum Konzept fortschreiten.

Bei einem Umzug an einen Ort, an dem es kein altsprachliches Gymnasium gibt, oder wenn es sich später einmal herausstellen sollte, dass die HTS doch nicht die richtige Wahl für das Kind war, ist der Übergang in eine Schule mit Englisch als erster Fremdsprache jetzt weit einfacher und sicherer.

Wir meinen, dass wir mit Latein plus Englisch einen Weg gefunden haben, der den altsprachlichen Charakter unseres Gymnasiums nicht nur erhält, sondern stärkt. Die alte und die neue Fremdsprache ergänzen einander.

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